Freiheit für die Autos!

Ja, München gehört zu den Städten, in denen überdurchschnittlich viele SUVs fahren. Aber alle Autofahrer*innen wegen einer pauschalisierenden Betrachtungsweise und Dämonisierung von einigen Autofahrer*innen zu bestrafen, wäre der falsche Weg. Eine autofreie Innenstadt mag in manchen Städten funktionieren, jedoch nicht in einer so geschäftstriebigen und wirtschaftsstarken Stadt wie München. Autoverkehr in der Innenstadt muss gewährleistet sein, damit der Fluss von Waren und Menschen ungehemmt weiterbestehen kann. Selbstverständlich sind nur Fahrräder in der Innenstadt eine schöne Vorstellung. Zur Wahrheit gehört aber auch: Autos als Fortbewegungsmittel sind nicht wegzudenken! Nach einer Studie fahren 24 Prozent der Münchner*innen mit Auto, Roller oder Motorrad (MIV (motorisierter Individualverkehr)). Zehn Prozent sind MIV-Beifahrer*innen, 24 Prozent sind Fußgänger*innen, weitere 24 Prozent ÖPNV-Nutzer. Es bewegen sich also insgesamt 34 Prozent der Münchner*innen im MIV fort – der größte Anteil!

Autos sind wahr gewordene Freiheit – die individuelle Freiheit, sich überall hin fortzubewegen. Und in jeder Jahreszeit. Nicht jeder Person ist es zuzumuten, im Winter bei Minusgraden das Fahrrad zu nehmen oder den Weg zum ÖPNV zu beschreiten. Auch gehört es doch dazu, als Teenager*innen von seinen Eltern vom Club oder vom Hauptbahnhof abgeholt zu werden.

Autofahren ist auch notwendig für die Berufsfreiheit. Wie soll denn die Ladenbesitzerin mit ihrem Kleinwagen zu ihrem Ladengeschäft in die Innenstadt kommen, wenn es ein Fahrverbot gibt? Ja, Ausnahmeregelungen sind möglich; doch dies wäre ein gewaltiger Verwaltungsaufwand, da nicht nur die Zahl der potentiellen Anspruchsteller*innen hoch wäre, sondern auch viele Läden im Laufe der Zeit ihre Eigentümer*innen wechseln. Auch ist die Definition und konkrete Ausgestaltung dieser Ausnahmen sehr schwierig und führt zu Streit zwischen den unterschiedlichen Gruppen.

Außerdem, wie soll eine autofreie Innenstadt in der Praxis überhaupt umgesetzt werden? Es bestehen keine Flächen für die schiere Anzahl von Pendler*innen und ihren Automobilen, um vor den Toren der Altstadt zu parken. Eine Ansammlung von Parkplätzen und Parkhäusern würde die äußeren Stadtteile nur unnötig abwerten. Dies ist nicht gerecht.

Und an alle Umweltschützer*innen: Auch mit einem prosperierenden motorisierten Verkehr lässt sich Klimaschutz vereinbaren. Mit den aufstrebenden Elektro- und den neuen Wasserstoff-Autos wird der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid auf nahezu null verringert – soweit die Produktion von Elektrizität auch CO2-frei ist. Insofern unterstützen wir auch unsere hiesige Autobau-Wirtschaft, die einen starken Stellenwert in der bayerischen Gesellschaft besitzt.

Eine autofreie Innenstadt würde dieses starke Standbein unserer Wirtschaft nur unnötig in Gefahr setzen. Auch die Innenstädte selbst würden an Kaufkraft einbüßen, so wie dem Wirtschaftsstandort München insgesamt die Deindustrialisierung drohen würde.

Eine autofreie Innenstadt macht also nur für Städte Sinn, in denen von je her keine Menschen in der Innenstadt sind.

Diabolische Grüße – der Anwalt des Teufels

Autos raus aus der Innenstadt!

Immer mehr Gemeinden diskutieren über die Einführung autofreier Zonen, um den Bürgerinnen und Bürgern Lebensqualität zurückzugeben. Jedoch werden solche, sowie vergleichbare Forderungen wie die nach Tempolimits auf deutschen Autobahnen, gerne als Kampf gegen das Auto gesehen. Dabei ist der Wunsch einer autofreien Innenstadt viel mehr ein Kampf für die Menschen, für Freiräume und für die Umwelt.

Wir alle kennen das Problem: wir sind auf dem Weg in die Schule, die Uni oder zur Arbeit und der Bus bewegt sich einfach nicht vorwärts, weil er umzingelt ist von PKWs. Oder wir wollen abends einfach nur noch nach Hause und die Trambahn steht wütend bimmelnd hinter einem Wagen, der in der zweiten Reihe geparkt wurde. Aufgrund solcher Erfahrungen erscheint es vielen so als sei das Auto eine bequemere Alternative, um die Rushhour-Zeit im Warmen, ohne langen Fußweg und mit der Lieblingsmusik voll aufgedreht zu überstehen und dabei vermeintlich noch Zeit zu sparen. Blöd nur, dass sich das Problem, aka der Stau, nicht löst, wenn wir uns das alle denken. Eine autofreie Innenstadt würde für uns alle weniger Stau und schnelleres Durchkommen bedeuten, denn Bus und Bahn würden zügiger durch die Straße kommen. Für eine Innenstadt ohne motorisierten Individualverkehr bedarf es natürlich eines starken Ausbaus des ÖPNV, aber wäre es nicht eine schöne Vorstellung sich gemütlich in der Bahn zurückzulehnen, Zeitung zu lesen, die Lieblingsmusik halt dann über Kopfhörer zu hören und stressfrei ans Ziel zu kommen?

Das starke Verkehrsaufkommen in den Städten ist aber nicht nur nervig, sondern auch gefährlich. Prinzipiell geht die Zahl der Verkehrstoten auf deutschen Straßen zwar zurück (Destatis, 2019d), jedoch sind 2018, im Vergleich zu den Vorjahren, wieder mehr Fahrradfahrer*innen und Benutzer*innen von Krafträdern ums Leben gekommen (ebd., 2019). Zudem kommt es innerorts zu den meisten Verkehrsunglücken mit Personenschaden (ebd., 2019c) und in den meisten Fällen sind die Hauptverursacher dieser Unfälle PKWs (ebd., 2019b). Zwei Drittel aller Radunfälle sind Zusammenstöße mit PKWs und auch hier ist in 75% der Fälle die Hauptursache für das Unglück fehlerhaftes Verhalten der Autofahrer*innen (Schwarzer, 2020). Ursächlich hierfür seien die Verkehrsdichte – besonders in den Großstädten, und die mangelnde Infrastruktur für den stetig zunehmenden Verkehrsdruck (Marks, 2019). Eine autofreie Innenstadt könnte eine Möglichkeit sein, um Fortbewegung für alle Verkehrsteilnehmer*innen wieder etwas sicherer zu gestalten.

Die vielen Autos, die durch langes Warten in Staus noch mehr CO2 in die Luft pusten als ohnehin schon, werden jedoch nicht nur Radler*innen oder Fußgänger*innen gefährlich, sondern auch dem Klima und unserer aller Umwelt. Es fällt vielen von uns schwer auf das Flugzeug zu verzichten und den Jahresurlaub am Staffelsee zu verbringen, aber das Auto morgens stehen zu lassen wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Natürlich sind viele Menschen, vor allem diejenigen, die sich die teuren Städte sowieso schon nicht leisten können und daher im Umland leben, auf ein Auto angewiesen. Doch auch hier könnte der Ausbau von Zubringerbussen, Park+Ride-Konzepten sowie eine Taktverdichtung der S-Bahnen uns allen dabei helfen, unsere Umwelt zu schützen und die Idee einer autofreien Innenstadt umzusetzen.

Dass die Städte zu voll sind – nicht nur in Bezug auf die Straßen, hört man häufig. Es fehlt an Wohnraum, Grünanlagen und Flächen zur freien Entfaltung für Klein und Groß. 2011 entfielen 17.3% des Münchner Stadtgebietes auf „Verkehrsflächen“ – hierzu zählen Straßen, Wege, Parkplätze und Schienenverkehr. „Erholungsflächen“ (wie z.B. Spielplätze, Grünanlagen oder Kleingartenanlagen) machten nur 15.6% Münchens aus (Kizlauskas, 2011). Überspitzt gesagt, gibt es damit mehr Straßen als Schaukeln. Doch selbst wenn wir uns anschauen, wer auf diesen Verkehrsflächen unterwegs ist, scheint die Verteilung sehr ungleich. Eine Berliner Studie zeigte, dass 2013 58% der Berliner Verkehrsflächen auf den fahrenden und parkenden PKW-Verkehr entfallen (Stößenreuther, 2014). Fußgänger*innen, Radler*innen oder der ÖPNV ziehen wohl den Kürzeren auf den deutschen Straßen. Darum gehen einige Städte bereits mit gutem Beispiel voran und erweitern bereits bestehende autofreie Zonen wie in Regensburg oder schließen Straßen für den motorisierten Verkehr wie in Hamburg (Bezirksamt Altona, 2019; Ried, 2019). Auch in München könnten solche Vorhaben mehr Platz für alle schaffen – zum Flanieren, Spielen, Blumen und Bäume pflanzen und was einem sonst noch einfallen könnte, um München noch schöner, gemütlicher und lebenswerter zu gestalten. Und wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind, so wirklich schön sehen zugeparkte Straßen sowieso nicht aus. München könnte damit wieder eine Stadt für Menschen werden, statt für Autos – auch wenn es dafür einer von der CSU gefürchteten RADikaleren Politik bedarf.

Antifaschistische Grüße – der sozialistische Engel

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