Marita Wehlus (27) aus München, ist gerade kurz vorm Abschluss ihrer Ausbildung an der deutschen Journalistenschule (DJS) und hat vorher ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften gemacht. Sie unterhält sich mit uns über ihre Ausbildung, ihren Beruf und über die Konsequenzen ihrer Undercover Arbeit.
Du bist an der Deutschen Journalistenschule. Ist es einfach dort angenommen zu werden?
Bei mir persönlich hat es vier Bewerbungen gebraucht. Ich würde also sagen, dass das eher schwerer ist. Vor allem, da man sich nur einmal im Jahr bewerben kann. Es war tatsächlich ein langer Weg, bis es endlich geklappt hat. Es werden auch nur 45 Leute genommen bzw. 15 für die Kompaktklasse, die ich mache. Da es immer sehr viele Bewerbungen gibt, ist es eben nicht so einfach, aufgenommen zu werden.
Die DJS ist zusammen mit der Henri-Nannen Schule, eine der renommiertesten. Aber eigentlich ist es an Journalistenschulen, wenn man es mit anderen Ausbildungen vergleicht, einfach immer schwerer.
Was hast du denn gemacht, bevor du dann aufgenommen wurdest? Da gab es ja wahrscheinlich eine Zwischenzeit zwischen Studium und DJS?
Ich habe 2014 meinen Bachelor gemacht, ich hatte also knapp vier Jahre Zeit. Das war so nicht geplant. Ich habe viele Praktika gemacht, ich habe frei gearbeitet – sowohl beim Radio, als auch bei der Lokalzeitung und habe so einfach versucht, mehr Erfahrungen im Bereich zu sammeln um so auf ein Niveau zu kommen, das für die DJS gerechtfertigt ist.
Verdient man Geld auf der DJS?
Nein, die DJS zahlt nichts. Sie kostet aber auch immerhin nichts. Allerdings wäre es für mich ohne Stipendium nicht möglich, die Ausbildung zu machen. Es gibt auch Stipendien von der DJS, die man beantragen kann.
Wie lange dauert die Ausbildung?
In der Kompaktklasse die ich mache, die nicht noch einen Master an der LMU beinhaltet ist es so, dass man neun Monate auf der DJS ist und danach zwei Mal drei Monate Praktikum macht (Marita war gerade bei der Seite 3 der SZ – Anm. der Redaktion). Und dort verdient man dann „Praktikantengehälter“.
Eine der Kernfragen ist jetzt natürlich: Warum willst du Journalistin sein?
Das klingt nach einer sehr einfachen Frage, ist es aber nicht. Für mich persönlich ist es wichtig, dass ich in meinem Job jeden Tag was Neues mache, da Spaß dran habe und meine Neugierde befriedigen kann. Aber darüber hinaus glaube ich an den Journalismus. Ich glaube daran, dass die Aufgabe des Journalismus wichtig in der Gesellschaft ist – die Menschen zu informieren, auch einigermaßen objektiv zu informieren und hinter Kulissen zu schauen, die sonst für die Leser, Zuschauer oder Hörer sonst einfach unüberbrückbar wären.
Das ist ein hehres Ziel. Vor allem in Zeiten, in denen der Journalismus immer schneller wird und man gar nicht mehr so viel Zeit hat zu recherchieren, ist das natürlich schwer. Was sind denn so deine Träume, wofür würdest du gerne arbeiten?
Tatsächlich schlägt mein Herz eher für Geschichten, die nicht so schnell „rausgeschossen“, sondern über längere Zeiten recherchiert werden. Ich glaube aber auch, dass Tagesjournalismus seine Qualitäten hat. Für das größere Verständnis einer Sache, ist es aber sinnvoll, Geld zu investieren. Eben für lange und tief recherchierte Geschichten. Ich glaube auch, dass es nicht aussterben wird. Auch wenn nicht mehr so viel Zeit ist und online alles viel schneller raus muss, glaube ich doch, dass tiefgreifende Analysen immer ihren Platz haben werden.
Das heißt, du bist für Papierjournalismus?
Gar nicht unbedingt. Auch lange und gut recherchierte Geschichten können online stattfinden. Es gibt tolle Projekte, die eine andere Art von Journalismus im Online Bereich machen. Es gibt inzwischen Sensor-Journalismus und interaktive Projekte. Das wird sich alles weiterentwickeln. Für mich ist es daher nicht wichtig, ob das Medium Papier ist.
Immer weniger Verlage und Zeitungen stellen jemanden fest ein. Wäre dein Ziel eine Festanstellung oder ist man als freie Journalist*in einfacher unterwegs?
Gerade ist es bei mir eher so, dass ich erst mal anstrebe frei zu arbeiten. Ganz unabhängig von der Bezahlung hat das andere Vorteile. Man kann seine Art zu arbeiten, seine Zeiten und Geschichten selbst bestimmen. Außerdem kann man auch für mehr Medien arbeiten. Also eine Geschichte cross-medial aufarbeiten. Das ist das, was ich mir vorstellen kann. Das liegt aber sicher auch ein bisschen daran, dass ich weiß, dass die Festanstellung nicht auf der Straße liegt. Das wird dann wahrscheinlich für mich eher in einem höheren Alter in Frage kommen (lacht).
Du hast gerade gesagt, dass du gerne objektiv berichten willst. Jetzt machst du natürlich gerade ein Interview mit einer Parteijugendorganisation. Ist es wichtig, so wie du auch, kein Parteibuch zu haben im Journalismus?
Ich weiß, dass es darüber unterschiedliche Meinungen gibt und ich habe auch Kollegen, die ein Parteibuch haben. Ich finde als Journalist, in einer Partei aktiv zu sein, vernebelt den Blick. Ich glaube, niemand ist zu 100 % objektiv. Auch Journalisten sind Menschen und können daher nicht objektiv sein. Ich glaube, was in Zukunft wichtig ist und was auch jetzt schon wichtig ist, ist dass der Journalismus sich weiterentwickelt in Richtung Transparenz. In dem Moment, in dem ich ganz ehrlich zu meinen Zuschauern, Hörern, Lesern sage, was denn meine Meinungen sind, kann er selbst entscheiden wie er damit umgeht und das finde ich ganz wichtig.
Du hast ja auch hehre Ansprüche an den Beruf selbst. Du hast ja schon undercover ermittelt (zur Identitären Bewegung – Anm. der Redaktion). Wie ist das abgelaufen?
Grundsätzlich ist undercover zu recherchieren, auch als Journalist, natürlich immer eine Abwägung, ob es gerechtfertigt ist. Weil man damit dem Protagonisten erst mal nicht mitteilt, dass man über ihn recherchiert. In meinem Fall war das eine Situation, in der das anders nicht möglich gewesen wäre. Ich bin im Nachhinein froh, dass ich das gemacht habe… Ich denke, dass das für die Leser ein Einblick war, den sie sonst nicht bekommen und den sie vor allem nicht von einer Außensicht bekommen hätten. Es gibt ja auch einen Grund, warum wir keine Pressemitteilung einfach so veröffentlichen, sondern uns unsere eigenen Gedanken darüber machen und dann einen Blick von Außen drauf werfen wollen.
Eine Konsequenz aus der Recherche ist, dass man die Adressen von dir und deiner Familie jetzt nicht einfach mehr beim KVR erfragen kann. Ist das nicht eine belastende Situation, dass man Angst haben muss, von gewissen Gruppen/Personen verfolgt zu werden und Angst haben muss, dass es auch körperliche Übergriffigkeiten geben kann. Wie gehst du damit um? Und wie geht auch deine Familie damit um?
Als allererstes würde ich mich dagegen wehren Angst zu haben, weil ich vor niemandem, egal wie bedrohlich er sich mir gegenüber verhalten würde, Angst haben will. In unserem Land und als Journalistin gleich drei Mal nicht. Es war eine Vorsichtsmaßnahme, die ich getroffen habe, weil ich nicht nur für mich alleine die Verantwortung trage, sondern auch für die Sicherheit meiner Familie. Ich habe tatsächlich keine körperlichen Angriffe erwartet, aber durch die Recherchen ist mir schon auch klar gewesen, dass da negative Gefühle in meine Richtung schwappen können und es nicht unbedingt sein muss, dass mein Privatleben da mit hineingezogen wird.
Meine Familie hat darauf vertraut, dass ich weiß was ich tue und dass ich da auch verantwortlich damit umgehe.
Du willst und hast keine Angst. Das heißt, in Zeiten, in denen der Ton von Rechten gegenüber Medien immer rauer wird, wirst du dich davon nicht abschrecken lassen?
Absolut richtige Einschätzung. Ich werde mich nicht abschrecken lassen durch irgendwelche verbalen Angriffe oder sonst etwas. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man so oder so miteinander reden sollte. Wenn die andere Seite daran kein Interesse hat, ok. Es ist das Jahr 2019 in Deutschland und ich glaube die Gesellschaft prägt sich auch dadurch, wie man mit solchen Sachen umgeht und wenn man so damit umgeht, dass man Angst hat oder zurückschreckt, dann ist das nicht die richtige Reaktion.
Ein Interview von Carmen mit Marita
