Legalisierung von Drogen

Drogen sind böse! Drogen sind illegal! Das bekommen wir von klein auf von allen Seiten vermittelt. In dem wir den Konsum von bestimmten Substanzen als abweichendes Verhalten abstempeln und dieses strafrechtlich verfolgen, verbannen wir eine Bevölkerungsgruppe in die Isolation, die jedoch eigentlich unserer Hilfe bedarf.

Im Alltagsverständnis bezeichnen Drogen Substanzen, die die Funktionen eines lebenden Organismus verändern können. In unserer Gesellschaft unterscheiden wir dabei zwischen legalen und illegalen Drogen. Legale Drogen wie Kaffee und Alkohol finden wir okay. Besonders Alkohol ist so stark in unserer Gesellschaft verankert, dass er auf vielen Weihnachtsfeiern, Geburtstagen oder Festivals zum guten Ton gehört – wer nicht mittrinkt, muss sich beim Sektfrühstück, im Biergarten oder den After-Work-Drinks dafür rechtfertigen. 2012 starben jedoch fast 21.000 Menschen an auf Alkohol zurückzuführenden Erkrankungen, bzw. an Krankheiten für die Alkoholkonsum einen Risikofaktor darstellt (laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung 2019). Alkohol wurde zudem in einer europaweiten Studie als die schädlichste Droge eingestuft. Heroin folgte mit einigem Abstand auf Platz 2. Das Rating von Alkohol beruhte allerdings zu großen Teilen auf der Einschätzung der immensen Gefahren für die Umwelt der Trinkenden. Bei Heroin wurde die Gefahr wiederum deutlich höher für die Konsument*innen eingestuft als für deren Mitmenschen. Im vergangenen Jahr verstarben 1398 Menschen in Deutschland an den Folgen des Konsums illegaler Drogen – eine der Hauptursachen: eine Überdosis an Opioiden wie Heroin und Morphin (gemäß dem Bundesministerium für Gesundheit 2020). Und dennoch ruft niemand nach einem Verbot von Alkohol. Polemisch gefragt: warum prahlen wir vor Freund*innen mit unserer letzten durchzechten Nacht und dem fiesen Kater danach, wollen aber sofort die Polizei verständigen, wenn wir im Park den Geruch von Gras in die Nase bekommen? Die Zahlen zeigen deutlich, dass nicht alles was legal ist harmlos ist und gleichzeitig nicht alles was verboten ist, einen größeren Schaden verursacht. Können wir also ein Verbot von bestimmten Drogen im Allgemeinen, oder auch Heroin im Besonderem, mit unserem Verständnis von Freiheit und Selbstbestimmtheit vereinbaren?

Dies ist wohl eher eine ethische Frage, auf die ein Ruf nach der Legalisierung aller Drogen vermutlich nicht für alle die richtige Antwort sein wird. Und dennoch gibt es zahlreiche Argumente die für die Legalisierung sprechen.

Betrachten wir die Thematik aus ökonomischer Perspektive, zeigt sich, dass es sich auch bei Drogen um einen Markt handelt. Nach EU-Schätzungen geben Menschen in Europa pro Jahr mindestens 30 Milliarden Euro für illegale Drogen aus. Somit stellen Drogen also einen sehr lukrativen Markt dar, welcher einer der Haupteinnahmequellen der organisierten Kriminalität ist. Eine Legalisierung von Drogen jeglicher Art würde bedeuten, dass auf den Kauf dieser Substanzen Steuern entfallen würden. Zudem wären weniger Ausgaben für die Strafverfolgung sowie den Strafvollzug notwendig. Auch der Gesundheitsbereich würde finanziell entlastet werden, sobald Kosten für die Behandlung von Erkrankungen, verursacht durch verunreinigte Stoffe, das Teilen von Drogenbesteck etc. entfallen. Eine Legalisierung von Drogen wäre folglich zum einen von wirtschaftlichem Vorteil und zum anderen eine Kampfansage gegen organisierte Kriminalität – Akteur*innen, die aktuell steuerfrei aus den Suchterkrankungen unserer Mitmenschen Profit schlagen. Zusätzliche Steuereinnahmen könnten dann wieder Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen zugute kommen.

Die Legalisierung von Drogen kann jedoch mehr als nur finanziell reizvoll für die Gesellschaft sein, sie könnte Menschenleben retten. Durch einen staatlich kontrollierten Verkauf von Drogen, beispielsweise in Apotheken oder Coffee Shops, wären die Verbraucher*innen besser geschützt. Verunreinigte oder gestreckte Pulver und Pillen würden es nicht mehr so leicht auf den Markt schaffen. Auch die Einführung von Drogenkonsumräumen, auch Schutzräume genannt, wäre im Zuge einer Legalisierung eine wichtige Maßnahme, um die Zahl der Drogentoten zu reduzieren. Diese Aufenthaltsbereiche ermöglichen einen sofortigen Eingriff bei Notfällen wie einer Überdosis, reduzieren durch die Ausgabe steriler Spritzbestecke die HIV und Hepatitis-Infektionen und bieten zudem für die Suchtberatung und Drogenhilfe die Möglichkeit, direkt in den Kontakt mit Konsument*innen zu treten.

Unsere aktuelle Drogenpolitik ist eine Verbotspolitik, die durch die strafrechtliche Verfolgung den Konsum bestimmter Drogen als von der Norm abweichendes Verhalten abstempelt und damit Konsument*innen und vor allem Menschen mit Suchterkrankungen marginalisiert. Wir machen sie damit zu Kriminellen und schieben sie an den Rand unserer Gesellschaft. Sie laufen Gefahr, ihre Wohnung, ihre Arbeit und ihr soziales Netzwerk zu verlieren – sowohl durch die Droge selbst, als auch durch unsere gesellschaftliche Reaktion auf ihren Konsum. Das Verbot treibt sie in die Hände der organisierten Kriminalität. Wer Illegales tut, redet nicht darüber. Wer als kriminell gilt, fragt nicht nach Hilfe. Eine Reform unserer Drogenpolitik ist daher notwendig, um eine offenere Kommunikation zu ermöglichen, effektive Präventionsarbeit zu leisten und Betroffenen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie tatsächlich brauchen und möchten.

Gegner*innen erwarten durch eine Legalisierung von Drogen wie Heroin steigende Zahlen der Konsument*innen harter Drogen und haben vermutlich bereits die schlimmsten Schreckensszenarien deutlich vor Augen. Doch die Erfahrungen aus anderen Ländern, wie beispielsweise die Entkriminalisierungspolitik in Portugal oder der legale Cannabiskonsum in den Niederlanden und Kanada lassen nicht vermuten, dass eine Aufhebung der Drogenverbote in Deutschland diese Horrorvorstellungen Realität werden lassen würden.

Mit solidarischen Grüßen, der sozialistische Engel

Heroin ist eine grausame Droge. Der kurze Höhenflug birgt langfristig schlimme gesundheitliche und soziale Folgen. Deshalb ist es falsch, weiche und harte Drogen gleichzusetzen und Heroin zu legalisieren.

600.000 Personen in Deutschland sind abhängig von illegalen Drogen. Mit steigender Tendenz sterben jedes Jahr mehr als tausend Menschen an unerlaubten Betäubungsmitteln.

Opiate wie Heroin können schreckliche psychische sowie physische Schäden hinterlassen. Auf den Konsum, welcher Angst und Probleme verdrängt und für Glück und Zufriedenheit sorgt, folgen langfristig Leberschäden, Zahnausfall und Atemwegserkrankungen. Darüber hinaus leidet man unter einer Veränderung der Persönlichkeit, Introvertiertheit, Depressionen und einem starken sozialen Abstieg, der die Abhängigen zu Prostitution und Diebstahl veranlassen kann. Ehemals Süchtige berichten von Vergewaltigung, Obdachlosigkeit, Krankheit und Verzweiflung.

Heroin ist nicht nur eine Droge, sondern ein Gift, das die Menschen gesundheitlich, sozial und finanziell ruiniert. So ein Gift sollte auf keinem Fall in einer staatlich kontrollierten Abgabestelle dem Bürger verabreicht werden. Der Staat ist für die Fürsorge der Bürger*innen verantwortlich und darf unter keinen Umständen bei der Beschaffung von harten Drogen helfen.

Mit der Legalisierung von Heroin würde man die Droge verharmlosen. Insbesondere bei Jugendlichen, die frisch in Kontakt mit legalen und illegalen Drogen kommen, wird der Eindruck erweckt, dass das Betäubungsmittel nicht so gefährlich sein kann, wenn es derart einfach zu bekommen ist. Diese Verharmlosung kann dazu führen, dass mehr Jugendliche und Erwachsene Heroin ausprobieren und anschließend in die Sucht geraten. Von Heroin wird man sehr schnell abhängig, denn schon geringe Mengen können süchtig machen und oftmals zeigt man schon nach der ersten Konsumerfahrung Entzugserscheinungen wie frieren, schwitzen und Gelenkschmerzen. Der lockere Umgang mit harten Drogen birgt die Gefahr, Menschen zum Konsum von Stoffen zu bringen, die schnell in die Abhängigkeit führen und große Gefahren bergen.

Außerdem würde man mit der Legalisierung von Heroin den legalen Verkauf eines  Betäubungsmittels, welches immense negative Auswirkungen haben kann, fördern und nicht unterbinden. Der Staat würde seinen Bürgern das Gift verabreichen, anstatt den Handel zu unterbinden und den Konsument*innen aus der Situation zu helfen. Der Staat hat die Aufgabe der Fürsorge und muss jedem Bürger ein würdiges Leben bieten. Menschen in der Abhängigkeit haben aber nicht die Möglichkeit, würdig zu leben. Wie oben schon erwähnt, können die Folgen des Heroinkonsums schlimm sein. Die Aufgabe des Staates, sich um den Bürger zu sorgen, widerspricht dem Verkauf von harten Drogen.

Stattdessen sollte der Staat mithilfe von Hilfsprogrammen die Abhängigen aus ihrer Situation befreien und ihnen helfen, clean zu werden. Einen ersten Schritt hat vor 20 Jahren die Rot-Grüne Koalition gemacht, als im Jahr 2000 Konsumräume eingeführt wurden. In Drogenkonsumräumen können Drogenabhängige unter ärztlicher Aufsicht und mit sterilen Materialien wie Spritzen ihre Betäubungsmittel konsumieren. Dadurch werden Infektionen und Überdosierungen vermieden. Außerdem kommen Betreuer und Ärzte mit den Drogenabhängigen in Kontakt und können mit ihnen eine Beziehung pflegen, die zu erfolgreicher Vermittlung von weiterführender Hilfe führt und die Abhängigen motiviert, an ihrer aktuellen Situation etwas zu verändern.

Letztendlich wird die Legalisierung von Heroin Risiken zum Missbrauch bergen. Auch ohne die Legalisierung von harten Drogen ist es möglich, an Schulen und mithilfe von Öffentlichkeitsarbeit Menschen über illegale Drogen aufzuklären. Es ist möglich, den bereits Drogenabhängigen durch ärztliche Aufsicht und Versorgung mit sterilen Spritz- und Rauchutensilien, zu helfen. Idealerweise pflegen die Betreuer*innen die Beziehung zum Konsumenten* und motivieren diesen, Hilfsangebote und Aussteigerprogramme wahrzunehmen.

Mit diabolischen Grüßen, der Anwalt des Teufels

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